
THE HILL: Chinas Unterdrückung hat mein Leben verändert – jetzt setze ich mich für einen Wandel ein
Ellie Rao, Gastautorin für Meinungsartikel
In diesem Monat jährt sich zum 26. Mal die gewaltsame Unterdrückung von Falun Gong durch die Kommunistische Partei Chinas – eine Verfolgung, die mein Leben für immer verändert hat.
Vor dreiundzwanzig Jahren musste ich mit ansehen, wie mein Vater von der chinesischen Polizei weggebracht wurde. Ich war vier Jahre alt. Wir hatten uns gerade zum Frühstück hingesetzt, als es klopfte.
Die Männer, die vor der Tür standen, sagten, sie kämen von der Wasserversorgung. Meine Großmutter öffnete die Tür und zwei von ihnen kamen herein. Sie fingen an, mit ihr zu streiten, und dann stürmten plötzlich weitere Polizisten in Zivil herein. Sie packten meinen Vater und zwangen ihn in ein Polizeiauto. Ich rannte zum Fenster und sah zu, wie das Fahrzeug die Straße hinunter verschwand. Das war das letzte Mal, dass ich ihn gesehen habe.

Zwei Wochen später erfuhr meine Familie, dass mein Vater in einem Krankenhaus lag und Schwierigkeiten mit dem Atmen hatte. Sein Körper, so erfuhr ich später, war mit Prellungen und Schwellungen übersät. Er starb einige Wochen später. Sein Verbrechen bestand darin, Falun Gong zu praktizieren, eine Meditationsdisziplin, die auf den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht beruht.
Wir waren eine ganz normale Familie. Mein Vater war Lebensmittelkontrolleur, meine Mutter Zahnarzthelferin. Er war das Jahr 1999, in dem die Kommunistische Partei Chinas eine Kampagne zur Ausrottung von Falun Gong startete. Mein Vater weigerte sich, seinem Glauben abzuschwören, und so nahm ihm das Regime alles – seinen Job, seine Familie und schließlich sein Leben.
Meine Mutter und ich flohen bald darauf aus China. Wir verbrachten als Flüchtlinge einige Zeit in Thailand, bevor wir in den USA aufgenommen wurden, – da war ich neun Jahre alt. Hier fand ich Sicherheit – und eine Stimme. Ich entdeckte den Tanz und schloss mich schließlich Shen Yun Performing Arts an, wo ich nun Geschichten durch die Kunst des Tanzes erzähle, auch solche wie die meines Vaters.
Jedes Jahr wird in unserer Aufführung ein Stück über die Verfolgung von Falun Gong gezeigt. Einige Zuschauer sind überrascht. Viele sind zu Tränen gerührt. Für mich ist es eine Möglichkeit, die Mission meines Vaters fortzusetzen – der Welt zu zeigen, dass die Wahrheit, egal wie brutal sie unterdrückt wird, immer noch einen Weg findet, ans Licht zu kommen.
Es gibt nur wenige Orte auf dieser Welt, wo jemand eine derart traumatische Geschichte erzählen kann und dabei auf Menschen trifft, die ihn wirklich verstehen. Aber bei Shen Yun haben viele von uns ähnliche Schrecken durchlebt. Was uns zusammengebracht hat, ist nicht nur die Liebe zur Kunst, sondern die gemeinsame Mission, denen eine Stimme zu geben, die nicht für sich selbst sprechen können.
Selbst hier in den USA hat uns das chinesische Regime nicht in Ruhe gelassen. In den letzten zwei Jahren hat Peking seine Bemühungen intensiviert, Falun-Gong-Praktizierende im Ausland zum Schweigen zu bringen. Es sind nicht nur die Bombendrohungen, Todesdrohungen und aufgeschlitzten Reifen, von denen Shen-Yun-Darsteller während ihrer Tournee berichtet haben. In einem Fall wurden zwei illegale Agenten des chinesischen Regimes angeklagt, bekannten sich später schuldig und wurden zu Haftstrafen verurteilt, weil sie versucht hatten, einen verdeckten FBI-Agenten zu bestechen (den sie für einen Mitarbeiter des Finanzamtes hielten), um Shen Yun den Status der Gemeinnützigkeit zu entziehen und eine Steuerprüfung zu veranlassen. Der Plan war darauf ausgerichtet, unsere Auftrittsmöglichkeiten einzuschränken und damit die Möglichkeit, in der Gesellschaft ein Bewusstsein für die Menschenrechtsverletzungen zu schaffen.
Die chinesische Regierung betreibt solche Operationen in den USA sehr aktiv. Bis 2023 unterhielt sie sogar illegale Polizeistationen inden USA. Erst im November 2024 wurde ein in Florida lebender chinesischer Einwanderer zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, weil er seit mindestens 2012 als illegaler Agent der chinesischen Regierung tätig war. Wie das Justizministerium feststellte, hatte er Informationen über „chinesische Dissidenten und Verfechter der Demokratie, Mitglieder der religiösen Bewegung Falun Gong und in den USA ansässige Nichtregierungsorganisationen“ an das chinesische Ministerium für Staatssicherheit weitergegeben.
Was das chinesische Regime am meisten fürchtet, sind Glaube, Freiheit und das geistige Erbe Chinas. Das sind Werte, die vor der kommunistischen Herrschaft zählten. Die Kommunistische Partei Chinas versucht seit langem zu kontrollieren, wie China im Ausland wahrgenommen wird. Aber jetzt versucht sie zu kontrollieren, wie chinesische Amerikaner und Flüchtlinge leben, sprechen und glauben – sogar auf amerikanischem Boden.
Anlässlich dieses Jahrestages möchte ich, dass die Amerikaner erkennen, was auf dem Spiel steht. Was meinem Vater widerfahren ist, konnte nur unter einem Regime geschehen, das das menschliche Gewissen als Bedrohung ansieht. Und was jetzt geschieht – mit chinesischen Dissidenten, Uiguren, Tibetern und Falun-Gong-Praktizierenden, die hier in den USA überwacht, schikaniert und diffamiert werden – ist ein Test für Amerikas Eintreten für die Freiheit.
Ich stelle mir oft vor, was mein Vater sagen würde, wenn er mich jetzt sehen könnte. Ich glaube, er wäre stolz. Durch den Tanz teile ich die Werte, für die er gestorben ist. Indem ich unsere Geschichte erzähle, ehre ich die Freiheit, die er nie genießen konnte.
Ellie Rao ist Erste Tänzerin bei Shen Yun Performing Arts in New York.
Der Originalartikel wurde am 27. Juli 2025 veröffentlicht.