Die Song-Dynastie
Die Song-Dynastie bestand mehr als 300 Jahre (960–1279) und wird in die Perioden der Nördlichen Song (960–1127) und der Südlichen Song (1127–1279) unterteilt. Wie ihre Vorgängerin, die Tang-Dynastie, gilt die Song-Dynastie als goldenes Zeitalter der chinesischen Zivilisation. In ihr gab es bedeutende Fortschritte in Literatur, Philosophie und Wissenschaft. Viele Aspekte des Lebens, die oft mit dem traditionellen China in Verbindung gebracht werden – darunter der Reisanbau, ausgefeilte Beamtenprüfungen und bahnbrechende technologische Innovationen – entwickelten sich während dieser Zeit weiter.
Auf den Untergang der Tang-Dynastie folgten 53 Jahre voller Unruhen und Kriege, eine Periode, die Historiker als die „Fünf Dynastien und Zehn Königreiche” bezeichnen. Im Jahr 960 vereinigten Zhao Kuangyin und sein Bruder die zentralen Ebenen und die südöstlichen Regionen Chinas. Sie gründeten die Song-Dynastie und Zhao wurde unter dem Namen Taizu Kaiser. Er leitete den Ausbau des Beamtenprüfungssystems und ein aufwendiges Kartierungsprojekt, das alle Provinzen und Städte umfasste.
Die von ihm begründete Ära der Nördlichen Song war zudem von regelmäßigen Kämpfen mit benachbarten Königreichen und Völkern geprägt. Dies gipfelte schließlich darin, dass die Jurchen, ein Stamm der benachbarten Liao-Dynastie, im Jahr 1127 in das Gebiet der Song einfielen und die Hauptstadt Kaifeng eroberten. Sie nahmen Kaiser Qinzong und seinen Vater Huizong sowie einen Großteil des kaiserlichen Hofes gefangen. Diese militärische Niederlage wurde später als „Demütigung von Jingkang“ bezeichnet.
Doch Huizongs Sohn Zhao Gou entkam und überquerte den Jangtse, um im heutigen Hangzhou in der Provinz Zhejiang die Südliche Song-Dynastie zu gründen. In den folgenden anderthalb Jahrhunderten erlebten Wirtschaft, Religion und das gesellschaftliche Leben eine Blütezeit.
Die Song-Dynastie gilt als die wirtschaftlich erfolgreichste Dynastie in der chinesischen Geschichte. Während ihrer Herrschaft wandelte sich China von einer Agrar- zu einer Handelswirtschaft und die Bevölkerung wuchs rasant an. Neben der Urbanisierung und dem Aufkommen einer Kaufmannsschicht erwiesen sich staatliche Maßnahmen, die den Bauern Landbesitz gewährten, als großer Erfolg. Es folgte ein sprunghafter Anstieg der landwirtschaftlichen Produktion – selbst die späteren Ming- und Qing-Dynastien konnten diese Erträge nicht übertreffen.
Auch die Technologie entwickelte sich rasch. Drei der „vier großen Erfindungen“ des alten China haben ihren Ursprung in der Song-Dynastie: der Magnetkompass, der Buchdruck und das Schießpulver. Feuerwaffen fanden im militärischen Kampf zunehmend Verbreitung und der Schiffsbau verbesserte sich erheblich. Um ihren wachsenden Außenhandel zu schützen, gründete die Song-Dynastie Chinas erste ständige Marine. Buchdruck, Papierherstellung, Seidenproduktion und Porzellanhandwerk erlebten einen Aufschwung. Im 12. Jahrhundert war die Song-Dynastie die erste Regierung der Welt, die eigenes Papiergeld druckte.
Die Herrscher der Song-Dynastie zeichneten sich durch einen vergleichsweise flexiblen Regierungsstil aus. Die Klasse der Gelehrtenbeamten erlebte einen beispiellosen Anstieg ihres sozialen Status und trug einen Großteil der Verantwortung für die lokale Verwaltung. Die blühende Wirtschaft, die Meinungsfreiheit und die Erfindung des Buchdrucks boten den Gelehrten ein Umfeld, in dem sie frei nachdenken, debattieren und ihre Gedanken verbreiten konnten.
Einige Persönlichkeiten werden besonders mit den Errungenschaften der Song-Dynastie in Verbindung gebracht:
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Der Dichter Su Shi (1037–1101): Su Shi war ein führender Schriftsteller, Dichter und Staatsmann der Song-Ära. Er war ein Meister der ci-Dichtung, die zu den Säulen der chinesischen Literatur zählt und während dieser Dynastie ihren Höhepunkt erreichte. Über 4.000 seiner Gedichte, die für ihren kühnen, ausdrucksstarken und leidenschaftlichen Stil bekannt sind, sind erhalten geblieben. Viele Chinesen können noch heute einige davon auswendig vortragen.
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General Yue Fei (1103–1142): Yue Fei war ein Militärgeneral, der die Südliche Song-Dynastie gegen die anhaltenden Invasionen der Jurchen verteidigte. Er gilt weithin als Nationalheld und Symbol der Loyalität. Einer der beliebtesten Tänze von Shen Yun, „Die Loyalität des Yue Fei“, erzählt die Legende von seinem Dilemma, zwischen der Verteidigung seines Landes und der Pflege seiner alten Mutter hin- und hergerissen zu sein.
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Figuren aus Die Räuber vom Liang-Schan-Moor: Der Roman ist einer der vier literarischen Klassiker Chinas. Viele seiner Figuren und Geschichten basieren auf historischen Persönlichkeiten aus der Song-Dynastie. Die Shen-Yun-Tänze „Wu Song im Kampf gegen den Tiger“ und „Der Mönch Lu Zhishen“ sind diesem Roman entnommen.
Im Gegensatz zu anderen Epochen war die Song-Dynastie nicht von separatistischen Aufständen, Intrigen der Eunuchen oder Machtkämpfen innerhalb der königlichen Familie geplagt. Doch schließlich besiegte Kublai Khan, der Enkel von Dschingis Khan, im Jahr 1279 die Südliche Song-Dynastie.
12. Juli 2011
