Die Räuber vom Liang-Schan-Moor
„Die Räuber vom Liang-Schan-Moor“ (auch bekannt als „Wasserufergeschichte“) wurde im 14. Jahrhundert von Shi Naian verfasst und zählt zu den vier chinesischen Literaturklassikern. Es handelt sich um eine Sammlung von Volkserzählungen, die von Abenteuer, Elend, Heldentum und der Subkultur von Geächteten geprägt sind. Die Geschichte basiert auf einer realen Banditengruppe der Song-Dynastie.
In dieser Geschichte befällt im 11. Jahrhundert eine schreckliche Plage das Land und der Kaiser Ren Zong befiehlt seinem Marschall, ein Heilmittel von einem berühmten daoistischen Priester zu besorgen. Der Marschall folgt diesem Befehl, doch als er das daoistische Kloster erreicht, geht alles schief. Unbeabsichtigt befreit er 108 Schicksalssterne.
Diese Sterne waren einst dämonische Lehensherren. Vor langer Zeit wurden sie zur Strafe aus dem Himmel verbannt, doch ihre Reue machte ihre Freilassung möglich. Sie entkamen in die Menschenwelt und reinkarnierten als die sogenannten „108 Helden des Berges Liang“ und bildeten die Gruppe der schicksalhaften Geächteten in diesem Buch.
Aufgrund ihrer dubiosen Herkunft ereilt alle ein unglückliches Schicksal. Einige werden von korrupten Beamten hereingelegt, andere befreunden sich mit zwielichtigen Personen. Viele werden zu Flüchtlingen, nachdem sie in rechtschaffener Wut Halunken getötet oder unschuldige Menschen beschützt haben. Schließlich führt das Schicksal sie alle auf den Berg Liang zusammen, wo sie sich unter dem Motto „Unter dem Urteil des Himmels Gerechtigkeit zurückfordern“ als Gebrüder vereinen.
Der Anführer der Gruppe, Song Jiang, hat einen Wunsch: Der Kaiser soll ihn und seine Brüder begnadigen. Doch der Kaiser sieht die Geächteten als Bedrohung an und versucht, sie mit militärischer Macht zu besiegen. Erst angesichts ihres erstaunlichen kämpferischen Heldenmuts und ihrer Kampfkunstfertigkeiten gibt er nach, denn einige von ihnen besitzen unglaubliche Kräfte.
Nachdem der Kaiser den Haftbefehl für die Bande aufgehoben hat, reisen die Helden in die Hauptstadt zurück. Auf dem Weg dorthin unterdrücken sie noch den Aufstand von Fang La, wobei sie viele Todesopfer hinnehmen müssen. Nur 27 der ursprünglichen 108 Helden überleben. Während Lu Zhishen und Wu Song beschließen, zurückzubleiben, erreicht der Rest der Gruppe die Hauptstadt. Dort werden ihnen von den ehemaligen Feinden Regierungsposten angeboten. Leider ist dies ein Trick und alle ereilt ihr Schicksal.
Die Geschichte „Die Räuber vom Liang-Schan-Moor” hat farbenfrohe Figuren hinterlassen, deren Momente des Heldentums und des Missgeschicks Teil des Fundaments der chinesischen Volkskunde sind. Dazu gehören der betrunkene Mönch Lu Zhishen, Wu Song, der einen Tiger mit bloßen Händen tötet, Lin Chong, der „eiserne Bulle“ Li Kui und viele andere. Einige von ihnen wurden zum Gegenstand von oftmals unbeschwerten Shen-Yun-Tänzen.
26. Juli 2011
