Der Mönch Ji Gong

Ji Gong wurde Anfang der südlichen Song-Dynastie in eine reiche Familie geboren. Als junger Mann trat er in ein buddhistisches Kloster ein und erhielt den Namen Dao Ji. Anders als die meisten Mönche kleidete er sich nachlässig in verschlissene Decken, brach mit dem Verbot des Fleischessens und trank Wein. Kurz gesagt war er ein ziemliches Unikum und seine Eigenheiten ärgerten die anderen Mönche. Dies brachte ihm den Spitznamen „Ji, der verrückte Mönch“ ein und später hieß er nur noch „Meister Ji“ oder „Ji Gong“.

Trotz seiner exzentrischen Persönlichkeit war Ji Gong aufrichtig, gütig und ein sehr gut ausgebildeter Befolger der buddhistischen Lehren. Er war dafür bekannt, dass er denen in Not half und manchmal sogar ihr Leben rettete. Die chinesischen Volkserzählungen beschreiben liebevoll seine verschiedenen Heldentaten.

Baumstämme aus einem Brunnen herauswerfen

Eine beliebte Geschichte berichtet, dass Ji Gong mit übernatürlichen Kräften Baumstämme aus einem Brunnen zog. Ein Tempel sollte in Hangzhou gebaut werden und man benötigte dringend Holz. Das beste Holz gab es in der Provinz Sichuan, die fast 1500 Kilometer entfernt lag. Die Mönche waren ganz verzweifelt.

Doch dies hinderte Ji Gong nicht. Mit Hilfe seiner Kräfte brachte er die Baumstämme nacheinander vor Ort. Die anderen Mönche stapelten sie auf, bis der Mönch, der zum Zählen eingeteilt war, plötzlich „genug“ rief. Ji Gong hatte bereits einen weiteren Baumstamm herbeigeschafft, hörte aber, wie der Mönch „stop“ rief. So blieb der letzte Baumstamm halb eingetaucht im Brunnen. Spätere Generationen bauten darüber einen Pavillon und nannten ihn den „Göttlichen Teleportation-Brunnen“.

Den Stürzenden Berggipfel stoppen

Eine andere Geschichte, die zu dem Shen Yun-Tanz „Der Mönch Ji Gong entführt die Braut“ inspirierte, berichtet von den einfallsreichen Methoden des Mönches, Menschen, sogar gegen ihren Willen, aus drohender Gefahr zu erretten.

Eines Tages ging der Mönch Ji Gong zum Lingyin Tempel, wo er plötzlich einen Ruck im Herzen verspürte. Er spürte, dass etwas verkehrt war und nutzte seine hellseherische Fähigkeit zur Überprüfung der Lage. Er sah, dass bald ein stürzender Berggipfel auf ein nahegelegenes Dorf fallen würde.

Beunruhigt fing Ji Gong an, die Leute aus dem Ort zu rufen und sie zu warnen, dass sie um ihr Leben rennen sollten. Doch sie lachten einfach nur und taten ihn als „diesen verrückten Mönch, der wieder Unsinn plappert“ ab. Da sah Ji Gong einen Hochzeitszug im Dorf. Er platzte hinein, schnappte sich die Braut, warf sie über seine Schulter und rannte.

Aufgeschreckt riefen der Bräutigam und die Hochzeitsgäste alle Familienangehörigen und Freunde zusammen, um dem Entführer nachzujagen. Kurz darauf war das gesamte Dorf dabei, hinter ihnen herzurennen.

Gerade, als alle zum Tor des Dorfes hinausgelaufen waren, stürzte der riesige Berggipfel in der Nähe ein und landete mit einem Aufprall auf dem Dorf. Riesige Steinbrocken flogen durch die Luft, zerschmetterten Dächer und ebneten Gebäude in einem Augenblick ein.

Ji Gong hatte das Dorf gerettet, doch dann bemerkte er gerade noch, dass im Dorf ein kleines Mädchen hinterhertorkelte und ein riesiger Felsbrocken in seine Richtung donnerte. Er richtete sofort seine Handfläche gegen diesen Felsen und zwang ihn mit seiner Macht in einem Augenblick zurück, so dass ihr Leben gerettet war.

Dieser berühmte Felsbrocken heißt nun Hangzhous „Fliegende Bergspitze“ und Besucher können heutzutage den Handabdruck sehen, der im Grund des Felsen eingelassen ist.

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